3 Makro: Humankapital

Ein drittes Themenfeld innerhalb der Bildungsökonomik behandelt den Einfluss von Humankapital auf die Volkswirtschaften als Ganzes. Solche makroökonomischen Studien untersuchen den Einfluss der Bildung sowohl auf das wirtschaftliche Wachstum und die Entwicklung der jeweiligen Länder als auch auf die soziale Kohäsion und die Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften. Wie bereits in der Einleitung von Abschnitt 1 angedeutet, wurde für Humankapital in Form von Bildung starke und konsistent positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum und die Produktivität eines Landes gefunden - ein Ergebnis, das besonders ins Auge sticht, nachdem Probleme mit Messfehlern in den zugrunde liegenden Daten über die durchschnittlichen Bildungsjahre der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter berücksichtigt wurden (vgl. Krueger und Lindahl 2001; de la Fuente und Doménech 2001; de la Fuente und Ciccone 2002). De la Fuente (2002) fand außerdem heraus, dass das Angleichen der Ausbildungsniveaus einen großen Teil der Reduktion der regionalen Disparitäten zwischen den spanischen Regionen erklärt. Darüber hinaus scheint die Qualität der Bildung, wie sie im Rahmen von Wissenstests gemessen wird, einen deutlich größeren Einfluss sowohl auf das wirtschaftliche Wachstum im Zeitverlauf (Hanushek und Kimko 2000) als auch auf das Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung (Wößmann 2003b) von Staaten zu haben, als reine Quantitätsmaße der Bildung.

Unsere Netzwerkmitglieder haben neuerdings durch ihre Arbeiten zu dieser Literatur beigetragen: De la Fuente und Doménech (2006) haben methodische Aspekte, die die Aufnahme des Humankapital in die Wachstumsregression mit sich bringt, untersucht. Der Einfluss der Bildung auf das wirtschaftliche Wachstum wurde von Hanushek and Wößmann (2009) bestätigt, indem sie einen kausalen Zusammenhang zwischen der Leistung eines Landes im internationalen Vergleich und ihrer Wachstumsrate aufweisen. In einem historischen Kontext zeigen Becker und Wößmann (2009), dass Bildung die treibende Kraft für den wirtschaftlichen Erfolg der protestantischen Gebiete im damaligen Preußen war.

Etliche Studien untersuchen außerdem den Einfluss der Bildung auf den Grad der erreichten sozialen Kohäsion in einem Land. Marin und Psacharopoulos (1976) analysieren den Einfluss der Bildung auf die Einkommensverteilung und Hanushek (2001) betrachtet den Erfolg von Politikinterventionen in Bezug auf geringere akademische Leistungsunterschiede zwischen Menschen schwarzer und weißer Hautfarbe in den USA. Wößmann (2003c) liefert eine Schätzung für das Ausmaß, in dem europäische Schulsysteme gleiche Bildungschancen für Kinder unterschiedlicher sozialer Herkunft erreichen. Redmond und Kattuman (2001) zeigen, dass Merkmale des Humankapitals die hauptsächlichen Urheber für den Anstieg der Ungleichheit in Ungarn in den 90'er Jahren waren, und von Weizsäcker (1996) analysiert die Auswirkung bildungsbezogener Entscheidungen auf Ungleichheiten in den Lebenseinkünften und damit zusammenhängende Konflikte der Finanzpolitik. Psacharopoulos und Hinchliffe (1972) schätzen die Substitutionselastizität zwischen Arbeitern mit unterschiedlichen Ausbildungsniveaus, was Implikationen hat sowohl für die Schätzung von Wachstumseffekten der Bildung als auch für die Auswirkung von Veränderungen in der qualifikatorischen Zusammensetzung der Arbeiterschaft auf die Einkommensverteilung.

In aktuelleren Arbeiten zeigt Schütz et al. (2008) den positiven Effekt von frühkindlicher Bildung auf die Gleichberechtigung im Bildungssystem. Hanushek und Wößmann (2006) liefern Beweise für die kohäsiven Effekte, die eine zeitlich spätere Aufteilung der Schüler gemäß ihren Leistungen mit sich bringen. Die Studie von Brunello, Fort und Weber (2009), welche die Effekte von Bildung auf die Lohnverteilung analysiert, ist ebenfalls Teil dieser großen Literaturbandbreite.

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Referenzen

3a Humankapital und Wirtschaftswachstum, Produktivität
3b Bildung und soziale Kohäsion, Verteilung, Ungleichheit